Ratgeber Progerie

Informationen für Betroffene und Interessierte

Entstehung der Progerie

Dem vorzeitigen Altern, der Progerie, liegen genetische Ursachen zugrunde. Die genauen Hintergründe für das Auftreten einer Progerie sind noch nicht vollständig erforscht. Allerdings werden nicht nur ein Defekt, sondern mehrere Mechanismen verantwortlich gemacht. Da schon der „normale“ Alterungsprozess sehr komplex ist, werden auch die unterschiedlichen Erkrankungen, die mit einer vorzeitigen Alterung einhergehen, in ihrer Entstehung als sehr komplex betrachtet.

Entstehung des Hutchinson-Gilford-Progerie-Syndroms (HGPS)

Die Progerie im Kleinkindalter unterscheidet sich von einem „normalen“ Alterungsprozess. Kinder mit dem Hutchinson-Gilford-Progerie-Syndrom neigen nicht wie „normale“ alternde Menschen zu Alzheimer-Erkrankungen , Grauem Star, Altersschwerhörigkeit, Altersweitsichtigkeit oder Diabetes mellitus und sie haben kein erhöhtes Tumorrisiko.

Das Hutchinson-Gilford-Progerie-Syndrom wird vermutlich autosomal-dominant vererbt. Autosomal-dominant bedeutet, dass der Defekt sich auf den Autosomen befindet, also nicht auf den Geschlechtschromosomen (Gonosomen). Sobald ein Defekt vorliegt – dabei genügt in diesem Fall ein defektes Allel (eine von zwei vorhandenen Genkopien) – tritt die entsprechende Veränderung zutage. Da die Eltern diese Veränderungen nicht aufzeigen und Betroffene das reproduktionsfähige Alter nicht erreichen, handelt es sich um eine Neumutation bzw. um eine Spontanmutation.

Besagte Spontanmutation betrifft das Lamin-A-Gen auf Chromosom 1. Lamine sind Proteine (Eiweiße), die eine Kettenstruktur bilden und die u. a. beim Aufbau der Zellkernhülle eine wichtige Rolle spielen. Lamin-A jedoch, als Bestandteil der Proteinkette, weist bei Progieriepatienten einen Schreibfehler im genetischen Code auf (die Positionen der DNA-Basen Thymin und Cytosin sind vertauscht), sodass ein verändertes Protein (Progerin) entsteht. Dieser Vorgang beeinflusst die Funktion der gesamten Kette und lässt diese instabil werden. Die Zellkernhülle wird geschwächt und der Zellkern verformt sich. Infolgedessen ist das Körpergewebe nicht mehr in der Lage, sich zu regenerieren.

Darüberhinaus scheinen für das Altern Telomere verantwortlich zu sein. Telomere sind die Endabschnitte der Chromosomen – dort befindet sich so etwas wie eine Lebensuhr. Bereits nach der Geburt verkleinern sich die Telomere und mit jeder Zellteilung verkürzen sie sich ein wenig. Menschen mit einer Progerie weisen drastisch verkürzte Telomere auf.

Entstehung des Werner-Syndroms

Das Werner-Syndrom wird vermutlich autosomal-rezessiv vererbt und findet sich gehäuft bei Verwandtschaftsehen. Autosomal-rezessiv heißt, dass die Erkrankung nur entstehen kann, wenn Mutter und Vater des Betroffenen jeweils Träger der entsprechenden genetischen Veränderung sind und beide die entsprechende Anlage an das Kind weitergeben. Die Eltern selbst müssen jedoch nicht erkrankt sein. Der Defekt befindet sich nicht auf den Geschlechtschromosomen. Beim Werner-Syndrom ist das RecQL1-Gen auf dem kurzen Arm von Chromosom 8 betroffen. Der Defekt greift in verschiedene Abläufe ein und nimmt schließlich Einfluss auf die Reparaturmechanismen von Schäden des Erbgutes. In der Folge kann sich die Mutationsrate erhöhen und die Telomere verkürzen sich rapide.

Christa Windmüller

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